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Freitag 19.03.2010, 20:00 Uhr |
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Fünf Freunde wollen hoch hinaus
Café Extra: Die junge A-cappella-Band „High Five“ treibt ihre Karriere zielstrebig voran - Publikum fordert zwei Zugaben
BÜTTELBORN. Julian, Dick, Anne, George und Timmy. Sebi, Luki, Uli, Hannes und Jannis. Moment mal, wer? Und wer ist wer? Der Reihe nach. Im ersten Fall handelt es sich um die „Fünf Freunde“, jene legendären Kinderfiguren der englischen Schriftstellerin Enid Blyton. Im zweiten Fall um eine nicht legendäre, aber schon ziemlich bekannte A-Cappella-Band von jungen Künstlern um die 20, die sich „High Five“ nennen. In der „Metropole Büttelborn“ gaben sie jetzt ein „Hautnah“-Konzert zu geben, wie es Bandmitglied Hannes Herrmann formulierte.
Im Café Extra trat die Gruppe vor ausverkauftem Saal auf. Das Publikum war den jungen Künstlern alterstechnisch zwar ein wenig überlegen, der Funke sprang jedoch schon in der ersten Minute über, und fortan entstand der Eindruck, als würden die Zuschauer den Fünfen förmlich an den Lippen hängen: zufriedene Gesichter allerorten. Kein Lachen mehr, sondern stellenweisen regelrechtes Kreischens drang aus dem Auditorium.
Der Grund ist denkbar einfach. Die fünf jungen Männer haben nicht nur pfiffige und grandios dargebotene Texte, sondern auch schauspielerisches Talent. Im einen Moment kokettieren sie mit ihrer Jugendlichkeit und Schüchternheit, im anderen werden die eigenen Bandmitglieder auf den Arm genommen. Den Vergleich mit den „Fünf Freunden“ haben sie freiwillig gezogen und mit einer Anekdote begründet - schließlich lernten sie sich im Enid-Blyton-Lesekreis der Grundschule Offenburg kennen.
Später verrät Sebi, Sebastian Hug, dass es zu einem Coversong der Gruppe Coldplay und dem Lesekreis eine besondere Verbindung gebe. Hannes sei in der dritten Klasse in seine Deutschlehrerin verliebt gewesen, die mit penetrantem Mundgeruch gesegnet war, was ihn jedoch nicht gestört habe. Während Sebi plaudert, halten seine Kollegen den armen Hannes mit gespielter Mühe davon ab, auf Sebastian loszugehen.
Viel Witz enthalten die Wortspiele in den Texten der Nachwuchskünstler, deren Vorbild die Wise Guys waren. Beispielsweise wenn Hannes über den Shoppingwahn seiner Freundin singt oder Uli Stoll ein Lied über seine unheimliche Freundin vorträgt, bei der ihn immer das Gefühl beschleiche, sie seien wie „Schwefel und Pech. Du bist Schwefel und ich bin (habe) Pech“.
Beides sind Lieder aus dem Debütalbum „Jetzt und hier“. Verblüffend echt ahmen die Fünf mit ihrem Gesang Instrumente nach und lassen dabei vergessen, wie jung sie noch sind. Mittlerweile tourt die 2006 gegründete Band bundesweit, die Musik steht für die jungen Leute an erster Stelle.
Das Abitur haben die Jungs im vergangenen Jahr gemacht, und Jannis Kirchner, der Grundschullehramt studiert, hat jetzt eine Pause von der Uni eingelegt. Um ihre Karriere hundertprozentig anzugehen, nehmen sie professionellen Gesangsunterricht, wie Sebi später im Gespräch mit dem ECHO erzählt. Das sei notwendig, wenn „man es professionell aufziehen möchte“, ergänzt Uli.
Uli, der auf der Bühne den Schüchternen mimt, wirkt nach der Show ziemlich abgeklärt. Luki (Lukas Luem) ist der Fünfte im Bunde und „modischer Guru“ der Band - denn jedem kommt eine eigene Aufgabe zu. Hannes ist mit der Probenleitung und Nörgeln beschäftigt, Uli mit dem Texten, Sebi ist der Ansager und Jannis der „Klang- und Lehrkörper“.
Nach zwei Stunden sind „High Five“ am Ende des Konzerts angelangt. Das letzte Lied des Abends handelt von den Beschwerden des Älterwerdens - ein Thema, dem sich Zwanzigjährige dringend stellen müssen. Zur Melodie von „Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus“ reimen sie etwa „Kukident, Kukident kommt in den Zahnputzbecher rein“.
Der Applaus ist so fordernd, dass sie zwei weitere Zugaben darbieten. In alter Blues-Brothers-Manier kommt dann jeder einzeln auf die Bühne und erklärt, warum er nicht mehr singen kann. Bei Jannis ist es der Stimmverlust - im Gespräch mit dem ECHO stellt sich heraus, dass sich die Stimme tatsächlich verabschiedet hat. Die fünf sind eben immer für eine Überraschung gut.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 23.03.10 - Anika Schröter Bild: Dieter Gölzenleuchter | Bildbearbeitung: Jonas Bielohlawek
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