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Freitag 16.04.2010, 20:30 Uhr |
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| › Christian Hirdes | • Musik-Kabarett |
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Sprachkünstler im Lausbubgewand
Café Extra: Christian Hirdes präsentiert in Büttelborn sein Programm „Anmache“ - Nervöse Anspannung vor dem Auftritt
BÜTTELBORN. Stunden bevor das Publikum ins Café Extra kommt, ist der Künstler vor Ort. Christian Hirdes und der Techniker probieren die Einstellung von Mikrofon und Lichtorgel aus und sprechen den Ablauf durch.
„Wir haben 40 Reservierungen, meist kommen noch einige Schnellentschlossene dazu“, erzählt währenddessen Ulrike Görtler vom Fachbereich Kultur. Sie übernimmt an diesem Abend den Service für Getränke im behaglichen Café.
Christian Hirdes wohnt in Bochum, zehn Kabarettabende monatlich in ganz Deutschland sind für ihn Usus. Mit 36 Jahren ist er auf Kleinkunstbühnen kein Unbekannter mehr: Drei namhafte Auszeichnungen hat er mit dem „Prix Pantheon“, der „St. Ingberter Pfanne“ und „Tegtmeiers Erben“ schon in der Tasche.
Ist er Poet, Kabarettist oder Liedermacher? „Ich würde sagen, von allem etwas“, meint Hirdes vorsichtig. Dabei lässt er das bubenhafte Lächeln sehen, das ihm den unwiderstehlichen Charme der Bescheidenheit verleiht. Er führt aus: „Ich bin Künstler. Ich sehe meinen Ansatz im Sprachspiel. Alles begann mit dem Schreiben von Liedern und Gedichten. Die Bühne kam später dazu.“
Studiert hat Hirdes Germanistik und Anglistik. Ist „Künstler“ denn ein richtiger Beruf? Hirdes lacht: „Es ist auf jeden Fall ein Beruf, wenn auch kein normaler.“ In der Anfangsphase sei viel „Traumtänzerei“ dabei gewesen, sagt er offen. Inzwischen kann er von seinen Gagen gut leben. „Es läuft. Ich werde gebucht.“
Hirdes arbeitet meist allein, feilt neue Ideen aus, vertieft sich in Worte und Klang am Piano, mit Gitarre oder schreibend am Computer. „Bis eine Idee reif ist, vergehen manchmal ein paar Minuten, manchmal Tage“, erzählt er. „Unsystematisches Künstlerchaos“ nennt er das. Das aktuelle Programm heißt „Anmache“. Hirdes sagt: „Das klingt ein bisschen reißerisch, zieht aber Publikum.“
Zum Inhalt erklärt er: „Ein Kabarettist muss nicht per se witzig sein. Ich setze gezielt Pointen. Dabei wird der Ernst des Lebens persifliert. Man betont Nebensächliches, Missverständliches oder Unausgesprochenes.“ Wichtig sei scharfe Beobachtungsgabe, findet er. „Fantasie und ein Stück Narrenfreiheit beflügeln mich.“
Das Plakat vorm Café Extra zeigt Hirdes mit seiner Lausbubenfrisur. Scheu hält er dem Betrachter eine Rose entgegen. Er kommentiert: „Das ist im Grunde authentisch. Ich bin von jeher der Typ schüchterner Eigenbrötler. Eine Lieblingsformulierung der Presse heißt: Er hat's faustdick hinter den Ohren.“
Stimmt das? Bekommt er Fanpost? Hirdes grinst: „Meine Zielgruppe sind Studienrätinnen um die 50, die mich am liebsten adoptieren würden.“ Tatsächlich, die Rolle der Unschuld mit Sexappeal ist ihm auf den Leib geschrieben.
Je näher der Auftritt rückt, desto ruheloser ist Hirdes, raucht eine Zigarette und geht auf und ab. Im Café nehmen derweil die ersten Gäste Platz. „Es gibt keine Routine. Das ist gut so. Man braucht die nervöse Anspannung vorher.“ Hirdes erzählt, er habe sein Programm wellenartig aufgebaut, mindestens drei Punkte sollen die Stimmung hochtreiben: Einmal die Märchenpersiflage von „Dornröschen mit dem Höschen“, wobei er die Konsonanten zum weichen Zischlaut verbindet, dann die Persiflage eines Grönemeyer-Hits zu „Gib mir mein Herz zurück, ich brauch meine Leber noch“ sowie die Geschichte der vier Chinesinnen Li, Si, Zi und Zu, deren Namen er wortakrobatisch zu kuriosen Scherzen verbindet.
Dann ist es so weit: Christian Hirdes betritt die Bühne, Applaus empfängt ihn. Er beginnt mit einem Rap zum Flackern der Lichtorgel, setzt mit einer sanften Story vom jungen Mieter nach, der unschuldig von seiner schönen Nachbarin träumt. Im Nu hat Hirdes das Publikum erobert. Ulrike Görtler meint augenzwinkernd: „Na bitte, die Sache läuft doch. Ein echt netter Kerl.“
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 21.04.10 - Charlotte Martin Bild: - | Bildbearbeitung: -
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| » Wo: Café Extra |
Titel/Programm: Anmache |
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