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Freitag 23.04.2010, 20:30 Uhr |
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| › Henning Venske und Jochen Busse | • Kabarett |
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Wartezimmer einmal anders
Kabarett – Jochen Busse und Henning Venske gastieren mit ihrem Programm “Inventur“ im Worfelder Bürgerhaus
Das Wartezimmer gilt seit jeher als Ort der Ruhe. Als Raum des kollektiven Schweigens, wo nur das zeitweise Husten einiger Patienten das Geräusch des fast mechanischen Umblätterns diverser Magazinseiten übertönt.
Doch diese mitunter durch das eigene Befinden erzwungene Ruhe war im Worfelder Bürgerhaus schnell vorbei, als zwei ältere Herren beschlossen, in eben jenem Wartezimmer zwischen obligatorischer Zierpflanze und schwarzem Holzstuhl den großen Fragen unseres Landes, ja unserer Zeit zu Leibe zu rücken. Zwei Herren, die sich anschickten, Bilanz zu ziehen aus 60 Jahren bundesdeutscher Demokratie, 30 Jahren Privatfernsehen und 20 Jahren praktizierter Globalisierung: die totale „Inventur“ eben.
Jochen Busse und Henning Venske, Urgesteine des deutschen Kabaretts und Protagonisten dieses Schlagabtauschs, demonstrierten rund 200 Zuschauern, wie Debattenkultur heute aussehen könnte, wenn sich die Teilnehmer nur trauen würden, auch unbequeme Belange zu thematisieren, und keine Idee zu absurd erscheint, sie auch auszusprechen. Da wurde geschimpft und gestritten, belehrt, philosophiert und persifliert. Wartezimmer einmal anders im „Café Extra unterwegs“.
Bereits die Bestandsaufnahme zu Beginn wurde zur Abrechnung mit dem „vermeintlichen Agrarland Deutschland“, in dem sich „jeder für eine Melkkuh“ hält, wie Busse diagnostizierte. „Ein solches Land muss sich dann auch nicht wundern, wenn alle politischen Entscheidungen von Rindviechern getroffen werden“, stellte er wutschnaubend fest.
Es folgten Verbesserungsvorschläge der skurrilen Art: „Warum nicht eine Organabgabepflicht für Hartz-IV-Empfänger bei solchen Innereien einführen, die im Körper zweimal vorhanden sind“, fragte Busse frech. Man brauche ja schließlich nur einen Arm, um „die Pulle anzusetzen“.
Doch obgleich Späße wie dieser sichtlich harter Stoff für das Publikum waren, wirkte er „in Zeiten eines Außenministers, der Arbeitslose zum kollektiven Schneeschippen zwingen will“ seltsam real. Auch bei anderen Sketchen der etwas heftigen Art bewiesen Henning Venske und Jochen Busse an diesem Abend ihre besondere Auffassungs- und Beobachtungsgabe, die sie in der aktuellen Kabarettlandschaft so einzigartig macht. Durchaus derb, ohne jedoch dumm zu sein, angriffslustig, aber nie unbedacht, intelligent, aber nicht verkopft.
Ebenso wie Guido Westerwelle, dessen Ausführungen wiederholt als „unerheblich“ eingestuft wurden, musste der „gescheiterte Banker“ Frank Grischek, der mit stets sauertöpfischer Miene das Programm am Akkordeon begleitete, von Beginn an immer wieder als Prellbock herhalten für die scharfzüngigen Angriffe der beiden Streithähne.
Zynisch analysierten die beiden den Zustand der Demokratie, für die laut Venske „schon die alten Griechen nichts als Spott übrig hatten“, beklagten sich über die „zahllosen kochenden Soßenschänder im Fernsehen“ und stellten enttäuscht fest, dass der häufigste Beruf in Deutschland das „Pseudo-Expertentum“ sei.
Zwei Stunden, etliche Wortgefechte und zahlreiche beglichene Rechnungen später war die Diagnose eindeutig: Der Patient Deutschland ist am Ende. Und noch bevor er auf die Intensivstation verlegt werden konnte, hatten ihn Busse und Venske bereits ausgiebig seziert.
In das Wartezimmer, soeben Schauplatz einer der hitzigsten Debatten in der aktuellen deutschen Kulturlandschaft, kehrt wieder Ruhe ein. Und wer genau hinhörte, konnte vielleicht schon wieder das Umblättern der Magazinseiten vernehmen. Bis zur nächsten „Inventur“.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 27.04.10 - Daniel Klose Bild: Dagmar Mendel | Bildbearbeitung: Jonas Bielohlawek
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| • AUSVERKAUFT •
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| » Wo: Unterwegs im Bürgerhaus Worfelden |
Titel/Programm: Inventur |
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| » Karten: 16,00 € // 19,00 € (Abendkasse) |
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