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Freitag 30.04.2010, 20:30 Uhr |
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| › Petra Bassus, R. Witt und A. Bytchkow | • Chanson & Histoire |
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Der Zauber von Paris
Kleinkunst: Chanson & Histoire: Musikalisch-poetische Entführung mit Petra Bassus, Alexandre Bytchkow und Rainer Witt
BÜTTELBORN. Man stelle sich vor: Baguette zum Frühstück am Fuß von Sacré Coeur. Nach einer langen Nacht steigt die milchige Sonne über Paris auf, Rollläden rattern, Stöckelschuhe klackern übers Kopfsteinpflaster und der Duft frischer Croissants erfüllt die Luft. Autor Rainer Witt, Chansonsängerin Petra Bassus und Akkordeonist Alexandre Bytchkow entführten am Freitagabend im Büttelborner Café Extra ins Leben auf dem Montmartre der sechziger Jahre. Sprache, Gesang und Musik transportierten Melancholie und Lebenslust zugleich.
Petra Bassus, mit Bubikopf und legerem Schick, sang mitreißende Chansons, mal heiter, mal frivol oder erfüllt von Tristesse. Chansons von Edith Piaf waren ebenso darunter wie Lieder des Poeten Jacques Brel. Bassus wiegte sich im Rhythmus, die zarte, rote Stola schien mit Nonchalance um die Schultern gelegt.
Sehnsucht, Glück und Schmerz spiegelten sich im Gesicht der Sängerin, die Hände zeichneten die Emotionen nach. Nicht lang, und sie hatte das Publikum bezaubert.
Begleitet wurde Bassus vom großartigen Akkordeonisten Alexandre Bytchkow. Seit Jahren sind die beiden als Duo auf Bühnen der Region zu erleben. Bytchkows Finger sprangen behände über die Tastatur des Instruments. Seine Musik machte die Illusion, man befände sich in Paris, fast vollkommen. Der Pulsschlag der großen Stadt wurde hörbar, man glaubte sich auf die Champs-Élysées versetzt, schlenderte durch den Bois de Boulogne oder lief über verwinkelte Treppen zum amourösen Stelldichein.
Ein genialer Zufall des Lebens hat dem Duo den Moderator und Autor Rainer Witt zugeführt. Sein Buch „Malaise, Maloche, Montmartre“ fügt sich auf erzählerischer Ebene perfekt zur Musik. Witt schilderte Episoden seiner Jugend im Paris der sechziger Jahre. Die Anekdoten ranken sich um die legendären Hallen, den „Bauch von Paris“, wo sich Gestrandete und Hasardeure aller Couleur durchs Leben schlugen. Künstler, Tellerwäscher, Spitzbuben und Ganoven, offenherzige Mädchen, Clochards und Händler gaben sich ein Stelldichein.
Teils romantisierend, teils abgeklärt oder humorvoll waren die Beschreibungen der Charaktere und ihrer Winkelzüge. Die Gauloise locker im Mundwinkel, gehörte Tauschhandel zur Tagesordnung: überreife Apfelsinen gegen Schweinelende und Unterhosen gegen Käse. Baguette in Rotwein ergab ein formidables Mahl. Der algerische Fettbäcker wurde ebenso sensibel porträtiert wie die Geliebte Titine oder die Schauspieler, Sänger und Poeten im Restaurant Sebastopol - Yves Montand, Lino Ventura oder Jacques Brel.
Der Autor las mit der leicht ermüdeten Stimme eines Mannes, der alle Facetten des Lebens kennt. Seine flüchtig eingestreuten, trockenen Scherze quittierte das Publikum mit Heiterkeit. Rainer Witt hat die Ausstrahlung eines melancholischen Bonvivants, stets eine schöne Frau im Blick und ein Glas Rotwein vor sich.
Mit viel Applaus und Bravorufen klang der Abend aus, Lichter flammten auf und der Zauber von Paris zerstob.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 03.05.10 - Charlotte Martin Bild: Dieter Gölzenleuchter | Bildbearbeitung: Jonas Bielohlawek
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| » Wo: Café Extra |
Titel/Programm: Hinauf zum Montmartre... |
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| — Ein Chansonabend mit Petra Bassus, Alexandre Bytchkov und Texten von und mit Rainer Witt. |
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