|
|
|
|
Sonntag 09.05.2010, 20:00 Uhr |
|
|
| › Stephan Bauer | • Kabarett |
|
|
Lachgeschichten zum verlorenen Mann
Café Extra – Kabarettist Stephan Bauer rollt in Büttelborn die Geschlechterkampf-Thematik tiefgründig und amüsant auf
Noch haben nicht alle Besucher ihre Plätze gefunden. Im Eingangsbereich des Café Extra, zwischen Tür und Theke, herrscht also noch reger Fußgängerverkehr. Mittendrin lehnt ein Mann am Tresen. Ein schlanker Typ mit etwas zerzaustem Haar, grauem T-Shirt, Blue Jeans. Er fiele nicht weiter auf, ginge er nicht plötzlich auf die Bühne und würde zu reden beginnen.
Und bald zeigt sich, dass jener Stephan Bauer – zumindest die Figur im Rampenlicht – nicht so nett ist, wie er aussieht. Obwohl der 41 Jahre alte Kabarettist bei seinem Auftritt am Sonntagabend erst mal gesteht: „Ich gehöre zu der Generation von Männern, die vor diesen starken Frauen längst kapituliert haben.“ Was er damit meint, macht er mit einer Frage an den männlichen Teil des Publikums deutlich: „Wer von Ihnen ist der Meinung, dass er zu Hause irgendwas zu sagen hat?“ Keiner meldet sich. Stattdessen schallendes Gelächter, auch von den Frauen im Saal.
Was in den folgenden gut zwei Stunden folgt, ist eine herrlich abgedrehte, auf subtile Art tiefgründige, zuweilen aber auch einfach nur komische „Suche nach dem verlorenen Mann“, wie Bauer sein Programm betitelt hat. Darin konstruiert er Szenen, die gleichermaßen Lach- und Sachgeschichten sind, weil sie in ihrer Absurdität immer auch ein Körnchen Wahrheit enthalten. Bauers Kernthese: Seit der Emanzipation sind die Frauen nicht nur stark, sondern die Männer gleichzeitig schwach geworden. Männliche Tugenden wie Zielstrebigkeit, Standvermögen oder Mut seien selten geworden.
Zu allem Überfluss komme auch noch ein Verlust an Bildung hinzu. Bauer erzählt von einem imaginären Bekannten, der viele antike Möbel in seiner Wohnung habe. Nachgefragt, aus welcher Epoche die guten Stücke denn seien, habe er zur Antwort bekommen: „Aus erster Ehe“.
Aber sind Frauen zu Über-Menschen mutiert, die alles können und keine Fehler haben? Keineswegs. Schicht für Schicht entblättert Bauer die Makel, die unterm Make-up der Stärke zum Vorschein kommen. Frauen beispielsweise, die aus Angst vorm Karriereknick keine Kinder wollen. Oder, wenn sie denn doch Nachwuchs bekommen, sich zu „superpädagogischen modernen Müttern“ entwickeln. Und dann diese widersinnige weibliche Forderung, einen „echten Mann“ zu wollen – also einen Macho-Typ, den die Emanzipation doch eigentlich bekämpft hat.
In seinem amüsanten Streifzug durch die Partnerschaft schreckt Bauer aber auch vor Nonsens nicht zurück, mischt Kabarett mit Comedy. Schubladendenken ist ihm offensichtlich vollkommen egal. Das macht seine Herangehensweise an die eigentlich längst tot gequatschte Geschlechterkampf-Thematik so reizvoll.
Wie Stephan Bauer will auch Murat Topal beim hiesigen Publikum ankommen – jedoch nicht am 11. Juni. Sein für jenen Freitag geplantes Gastspiel im Worfelder Bürgerhaus hat der Comedian wegen eines Fernsehauftritts kurzfristig abgesagt. Die Eintrittskarten können beim Fachdienst Kultur (Rhönstraße 2b) oder bei einer der nächsten Café-Extra-Veranstaltungen zurückgegeben werden. Topal ist nun fürs Programm 2011 vorgesehen, der genaue Termin steht noch nicht fest.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 10.05.10 - Dirk Winter Bild: Dagmar Mendel | Bildbearbeitung: Jonas Bielohlawek
|
|
| • AUSVERKAUFT •
|
| » Wo: Café Extra |
Titel/Programm: Auf der Suche nach dem verlorenen Mann |
|
|
|
|
|
|
|
|