|
|
|
|
Freitag 28.05.2010, 20:30 Uhr |
|
|
| › Sebastian Schnoy | • Polit-Kabarett |
|
|
Gallige Reise quer durch Europa
Café Extra: Historiker und Kabarettist Sebastian Schnoy spielt bei seinem Auftritt in Büttelborn mit Klischees und Vorurteilen
BÜTTELBORN. Mit dem Finger auf der Landkarte des Atlasses habe er seine ersten Reisen gemacht, erzählt Sebastian Schnoy am Freitagabend im Café Extra. Dann kam die Flaschenpost hinzu, die der Hamburger Junge auf große Fahrt schickte. Dass es nur ein Fischhändler von den Elbbrücken war, der Antwort gab, entmutigte ihn nicht, mit der Entdeckung der Welt fortzufahren.
Die Europakarte im Rücken, blickt Sebastian Schnoy mit Ironie auf Charakteristik und Geschichte der Völker, die so verschieden sind wie dänisches Smørrebrød und französisches Baguette. „Hauptsache Europa“ heißt das Motto seiner Analyse, die Bravheit und Ordnungssinn der Deutschen ebenso auf die Schippe nimmt wie Autoflirts der Italiener, bei denen Verkehrsregeln nicht mehr gelten als ein Serviervorschlag fürs Pastaessen.
Sebastian Schnoy ist Historiker. Mit Polit-Kabarett gibt er Nachhilfeunterricht, ohne belehrend zu wirken. Im Gegenteil - es wird gelacht: „Dass ein Deutscher Papst wurde, ärgert die Polen. Sie sagen: Benedikt hat wohl sein Handtuch auf den Stuhl gelegt.“ In Südosteuropa konstatiert er Zellteilung: Montenegro etwa sei doch nicht größer als ein Nationalpark. Im Baltikum finde man auf der Landkarte „Tick, Trick und Track - Estland, Lettland und Litauen“. Und weiter geht's: „Was ist das typische Geräusch in den Städten Osteuropas? Das Klackern von Stöckelschuhen. Deutsche Frauen halten das für billig, Männer denken: Wow.“
Ein treffsicherer Hieb jagt den nächsten: „Was kennzeichnet Holland? Deiche statt Panzer. Dass die Menschen dort die größten Europas sind, kann sich mit steigendem Meeresspiegel als Glücksfall erweisen.“ Mehr zum Klima aus Frankreich: „2005 gab es einen Jahrhundertsommer mit Hitzetoten. Nicolas Sarkozy, damals Wirtschaftsminister, kommentierte: Jeder heiße Sommer entlastet die Rentenkasse.“ Und was gibt's über Österreich zu sagen? „Der Autor Thomas Bernhard nannte die Österreicher, Geschöpfe der Agonie'. In der Tat sind sie von staunenswertem Gleichmut: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht schlimm.“ Das Publikum lacht und bekommt sogleich sein Fett weg: „Deutsche haben das gründlichste Schuldgefühl der Welt. Sie sind ebenso gründliche Demokraten wie sie gründliche Faschisten waren. Sie kämpfen gründlich bis zum bitteren Ende - da halten die Italiener längst Siesta.“ Es grassiere eine enorme Lust der Deutschen, Kreuzfahrten zu unternehmen. „Permanent sind 30 000 Deutsche auf See. Die englische Presse titelt: Die deutsche Flotte wächst wieder.“
Zwei Stunden sind für Sebastian Schnoys gallige Reise durch Europa knapp bemessen. Er stürmt mit Siebenmeilenstiefeln hindurch. „Griechenland: Warum sagen wir nicht, der Euro mit der Eule ist nur noch 50 Cents wert, der Euro mit dem Adler aber zwei Euro? Auf diese Weise käme die D-Mark zurück.“ Und Spanien? „Die sind als nächstes dran. Dann wollen wir aber Mallorca haben, oder?“
Schnoy empfiehlt seinen Landsleuten, sturen Gehorsam zu überwinden und öfter mal Verbotenes zu tun: „Werfen sie eine grüne Flasche in den Glascontainer für weiße Flaschen, springen sie im Schwimmbad vom Beckenrand oder spülen sie den Joghurtbecher nicht aus, bevor sie ihn in den gelben Sack stecken.“
Warum? Schnoy breitet die Arme aus, als wolle er ganz Europa umarmen: „Wir dürfen nicht alles so schwer nehmen. Wir müssen das Ungewisse ins Leben zurückholen - arbeiten sie, als bräuchten sie kein Geld und lieben sie, als seien sie nie verletzt worden.“
Fazit? „Die europäische Idee ist eine Liebe wert. Lassen sie uns voneinander lernen.“
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 01.06.10 - Charlotte Martin Bild: - | Bildbearbeitung: -
|
|
| • AUSVERKAUFT •
|
| » Wo: Café Extra |
Titel/Programm: Hauptsache Europa |
|
|
|
— Im Rahmen der 2. Südhessischen Kabarettnächte. Mit freundlicher Unterstützung der Sparda-Bank Hessen eG. | | — Südhessische Kabarettnächte 2010 - weitere Info hier... |
|
|
|
|
|
|