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Freitag 03.09.2010, 20:00 Uhr |
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| › Roberto Capitoni | • Comedy |
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Mit Onkel Luigi nach Palermo
Comedy: »Im Auftrag des Paten« nimmt Roberto Capitoni das Publikum im Büttelborner Café Extra auf eine kuriose Reise mit - Temperamentvoll charakterisiert er die Figuren des Familienclans
BÜTTELBORN. Klarer Fall: »Im Auftrag des Paten« geht's eher witzig als dramatisch zu, wenn Roberto Capitoni die Sache anpackt. Am Freitag ist der Comedian, vielen bekannt durch TV-Auftritte, Gast zum Auftakt der Herbst- und Wintersaison im Büttelborner Café Extra. Gut besucht, wenn auch nicht ausverkauft, ist der kleine Saal, wo die Zuschauer bei italienischem Wein oder schaumgekröntem Bier die Darbietung des Italieners mit deutschem Einschlag genießen.
Als »Comedythriller« plakatiert, werden weder Messer noch Pistolen gezückt: Die kleinen Italiener des Familienclans ziehen lässig ihre Sonnenbrillen hervor, um Carabinieri und schöne Frauen hinters Licht zu führen. Sonst aber sind sie brav. Ein wenig verschroben freilich, aber welche Familie hätte nicht ihre Eigenheiten? Onkel Luigi fordert Respekt und droht bei Widerspruch »Betonschuhe« an. Roberto Capitoni lässt mit Gestik, Mimik und wandelbarer Stimme Papa, Mama, Töchterchen, Onkel und Ehefrau Capitoni lebendig werden. So vergisst man fast, dass der Mann allein im Scheinwerferlicht steht. Genau darin liegt Capitonis Stärke. Einfache Witzchen, mit denen Capitoni die Darbietung aufpolstert, sind nur Füllsel der ansonsten gelungenen Rahmengeschichte. Es geht um den Auftrag des »Paten«: Roberto soll mit einem kugeligen Fiat-Kleinwagen über die Alpen nach Palermo tuckern, um einen Teppich abzuliefern.
Die Krux ist, dass sich in der Teppichrolle etwas befindet, das streng geheim ist. Ob Leiche, Revolver oder nur Campari, bleibt bis zum Schluss ein Rätsel. Das Abenteuer mit schleppenden 55 Stundenkilometern über Serpentinen und Autostrada spickt Roberto Capitoni mit Geschichten italienischer Lebensart. Das Töchterchen, die »Principessa«, löst beim Familientreffen Bestürzung aus, als sie darauf beharrt, Nudeln seien chinesischen Ursprungs. Onkel Luigi hält ein flammendes Plädoyer für die italienische Pasta. Bevor die »Principessa« das Mahl nicht restlos verputzt hat, hängt der Familienfrieden am seidenen Faden von Onkel Luigis Geduld. Capitoni skizziert diesen Onkel als einen Genießer des Weins, der Pasta und Pizza, den sowohl gehörige Leibesfülle als auch despotische Autorität auszeichnen.
Konspirative Männergespräche, das Familienidyll mit »Nonna« und »Mamma« am italienischen Strand, stolze Carabinieri, die das Auto mit der mysteriösen Fracht stoppen, und viele andere Anekdoten erheitern das Publikum auf der kuriosen Reise nach Bella Italia. Capitoni charakterisiert die Figuren des Familienclans mit Strenge oder Nachsicht, Flehen und Unmut und vor allem mit typisch südländischem Temperament. Er rollt die Augen, wenn Onkel Luigi zum hundertsten Mal droht: »Ich verpasse dir Betonschuhe«, er lässt die Hände sprechen, wenn er die lässige Pose des Frauenverführers einnimmt.
Als gegen Ende der Show Palermo nicht mehr weit ist, packt den wackeren Roberto doch noch die Angst vor der Mafia. »Mach dir keine Sorgen, das sind alles Schulfreunde von mir«, sagt Onkel Luigi jovial, was indes weniger beruhigend als irritierend wirkt. Doch Onkel Luigi ist ein Gernegroß, und der »Comedythriller« entpuppt sich als Lausbubenstreich: Als das geheime Transportgut enthüllt wird, erweist sich, dass es dem verletzten Stolz der Italiener über das Ausscheiden bei der Fußball-WM geschuldet ist. Onkel Luigi hat den Siegerpokal gemopst. So stellt Neffe Roberto mit Humor die italienische Ehre wieder her.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 06.09.10 - Charlotte Martin Bild: Dagmar Mendel | Bildbearbeitung: Jonas Bielohlawek
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Titel/Programm: Im Auftrag des Paten |
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