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Freitag 24.09.2010, 20:00 Uhr |
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| › Michael Ehnert | • Kabarett |
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Der dunklen Seite Paroli bieten
Kabarett: Hamburger Michael Ehnert gastiert im Büttelborner Café Extra und fliegt mit Ministerin und Papst im A 911
BÜTTELBORN. Kurz vor dem Tod sieht man noch einmal das eigene Leben vorüberziehen, wird gesagt. Und obwohl Michael Ehnert nur Häkchen auf seiner mehrseitigen Lebensliste finden kann, ist seine Stimmung getrübt. Den Grund dafür präsentierte der Hamburger Kabarettist am Freitag im Büttelborner Café Extra.
In seinem neuen Programm »Das Tier in mir« bricht dieses fauchende Ungetüm immer wieder unkontrolliert aus dem sonst doch eigentlich coolen, smarten und professionellen Ehnert heraus. Etwa wenn er über die deutsche Spracherosion sinniert, in der Worte wie »Flatrate« gang und gäbe sind. Oder über die große Bedeutung von Internetgemeinschaften und Castingshows für die meisten Deutschen.
»Wie konnte es zu dieser Primatisierung kommen? Steckt dahinter vielleicht eine dunkle Macht, die Krankheiten erfindet, um Impfstoffe zu verkaufen?«, fragt Ehnert sich. Er beginnt ans Aufgeben zu denken. Nach über 20 Jahren auf kleinen zusammengeschraubten Gasthofbühnen zweifelt er an der Berufswahl.
Doch beim plötzlich erklingenden »Kung Fu Fighting« erinnert er sich an seine Schauspielausbildung zurück. Als Jediritter der Bühnenkunst ist es seine Aufgabe, jedem Hilferuf zu folgen und Licht ins Dunkel zu bringen, denn »dieses Land hat Nebensätze verdient«.
Aber warum muss Ehnert eigentlich bald sterben? Durch einen Zufall hat er ein Ticket für den Jungfernflug des A 911 bekommen und sitzt nun in einem Flugzeug mit der Elite des Landes. Zwischen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im Dirndl und dem Papst wird das Tier in Ehnert immer größer. Und dann kommt auch noch Deutsche-Bank-Mann Josef Ackermann.
Michael Ehnerts Krallen werden länger, die Zähne schärfer, er reißt sich das Hemd vom Körper, doch dann fällt ihm etwas ein: »Wie wäre es, wenn die Maschine jetzt abstürzte? Würde sich überhaupt etwas ändern?« Und schon passiert das Unausweichliche, das Flugzeug stürzt ab.
Wie durch ein Wunder überlebt der Kabarettist. Und lässt die Zuschauer mit der Frage zurück, wie ein neues Deutschland wohl aussehen könnte. Das ist von Ehnerts schauspielerischem und urkomischem Talent so begeistert, dass es am Ende sogar ein Ständchen mit ihm singen möchte. An diesem Abend ist es Ehnert in jedem Fall gelungen, der dunklen Seite der Macht auf amüsante Art und Weise Paroli zu bieten.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 27.09.10 - Charlotte Schnitzspahn Bild: Dieter Gölzenleuchter | Bildbearbeitung: -
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Titel/Programm: Das Tier in mir - Deutschland primat |
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