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Freitag 26.11.2010, 20:00 Uhr |
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| › Kostas Antoniadis & Ensemble | • Griechischer Abend |
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Gefühlvoller Gesang geht unter die Haut
Musik: Beim griechischen Abend im Büttelborner Café Extra sorgen Kostas Antoniadis und sein Ensemble für Stimmung
BÜTTELBORN. »Dimitrola - ich will mich heute betrinken und mit dir meine Lebenslust feiern«, übersetzte Dimitrios Tsiligiris den Text eines Volksliedes der Griechen. Mit rauchiger, verhalten temperamentvoller Stimme sang Amalia Krommyda zum Klang von Gitarre und Bouzouki.
Der populäre Bouzouki-Spieler Kostas Antoniadis und sein Ensemble hatten ins Café Extra in der Büttelborner Schulstraße zum griechischen Abend eingeladen. Der Klang der Bouzouki machte das Publikum im ausverkauften Saal vergessen, dass draußen winterliche Temperaturen herrschten. Man glaubte sich in eine Taverne von Thessaloniki versetzt, der lebensvolle Meeresgott Poseidon stand Pate.
Göttlich war der Anblick der drei Vollblutmusiker - in korpulenter Präsenz mit schalkhaften Blicken hatte sich Dimitris Tsiligiris mit der Gitarre positioniert. Sein gefühlvoller Gesang ging unter die Haut. Mittig saß die charmante Dame des Trios. Amalia Krommyda sang vor allem schwermütige Lieder mit großer Hingabe. Chef Kostas Antoniadis schließlich behielt keck den Hut auf: Mit Fingern, die zauberhaft leicht die Saiten der Bouzouki zupften, schlenzte er gern von der Bühne ins Publikum hinab, blieb in flirtender Attitüde bei den Damen stehen und legte seelenvolle Leidenschaft in sein Spiel.
Der Gesang zur griechischen Lautenmusik des Rembetiko, gespielt auf Bouzouki und ihrer kleinen Schwester, der Baglamas, transportierte Urthemen des Menschseins. Da ging es um Liebe, Sehnsucht und Schmerz, um leidvolle Klage und Fremdsein. Schwermütige Stimmung und übersprudelnde Lebenslust wechselten ab.
Halbseidene Gefühle sind nicht die Sache des musikalischen Trios: Griechisches Temperament setzte stets aufs Ganze. Ob es hieß »Weint mit mir heute Abend, denn sie wollen meine süße Bouzouki zerbrechen« oder »Du lässt mein Herz bluten, bewölkter Tag«, Rembetiko wurde als der Blues griechischer Volksmusik gefeiert. Verführerisch wie Poseidon in Liebschaft zur Meeresnymphe lächelte Dimitris Tsiligiris, als er zitierte: »Ich sehne mich nach den Nixen und der Schönheit exotischer Körper.« Das Publikum war begeistert. »Schade nur, dass im Café kein Platz zum Tanzen ist, denn die griechische Musik fährt in die Beine«, meinte ein Besucher, der für seine Freunde eine Runde Ouzo orderte. Der Anisschnaps wurde an diesem Abend an manchem Tisch probiert. »Ouzo gehört bei uns Griechen in jede Hausapotheke. Er ist kein Schnaps, er ist Medizin für Leib und Seele - freilich hat er auch Nebenwirkungen«, scherzte Dimitris Tsiligiris.
Politische Themen sparten die Musiker weitgehend aus, wiewohl die Stilrichtung des Rembetiko, die sich aus dem Volk entwickelte, durchaus solche Anklänge kennt. Ein Lied schließlich griff den Völkermord der Türken an den Griechen in den zwanziger Jahren auf. Mit herzergreifendem Timbre wurde die Klage um hunderttausende Opfer angestimmt. Doch dann wischte Dimitris Tsiligiris die drückende Atmosphäre mit einem Streich vom Tisch, erzählte von der »süßen blutjungen Dimitrola« und weiter ging's: »Ich will mit dir meine Lebenslust feiern.«
Wer wollte da Nein sagen? Das Publikum im Café Extra jedenfalls ging enthusiastisch mit.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 01.12.10 - Charlotte Martin Bild: Alexander Heimann | Bildbearbeitung: -
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