cafeextra.de - Startseite Hessens kleinste kommunale Kleinkunstbühne Kommunale Kleinkunstbühne Café Extra
Schulstraße 17
| 64572 Büttelborn

Veranstalter: Gemeinde Büttelborn
Rathaus - Mainzer Straße 13
Fachdienst Kultur - Büro Rhönstraße 2 b
Telefon: 06152 1788-45 | Telefax: 1788-65
 — 05.02.2012 — 
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Freitag 10.12.2010, 20:00 Uhr
[201024]
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› Bernd Gieseking • Kabarett
Bernd Gieseking»Erst waren wir Papst, jetzt sind wir Krise«
Café Extra: Unter dem Motto »Ab dafür« amüsiert der Kabarettist Bernd Gieseking das Publikum in Büttelborn

BÜTTELBORN. Es gibt Kabarettisten, die absolvieren ihr Programm mit nichts als einem Spickzettel im Revers. Anders Bernd Gieseking: Der Mann mit Lehrerstudium legt ein umfangreiches Manuskript aufs Pult, als er die Bühne im Café Extra betritt. Nordrhein-Westfalen ist die Heimat des Kabarettisten, was er mit saloppem »Moin« als Gruß ans Publikum unterstreicht. »Ein Kritiker bezeichnete mich mal als die Mutter der Jahresrückblicke«, scherzt er und legt unter dem Motto »Ab dafür« los. Es braucht satirische Sprengkraft, um angesichts des krisengeschüttelten, rücktrittsreichen und terrorbedrohten Jahres 2010 Heiterkeit zu wecken. Bernd Gieseking würzt Politisches mit pointierter Komik. Ein geschickter Mix mit Boulevardthemen lockert die Themen auf. So meint er etwa zum Desaster, in das der FDP-Frontmann seine Partei manövrierte: »Gemessen an Westerwelle spielt Schalke 04 eine blendende Saison.« Oder, lässig: »Was soll's - erst waren wir Papst, jetzt sind wir Krise.« Und: »Was wollen Sie eigentlich? Seit ich Sarrazin lese, finde ich Koch gut.« Das Publikum lacht, Gieseking setzt nach: »Sarrazin ist die Vuvuzela der Deutschen Bank.« Schlimmer sei stets das, was Politiker sagen als das, was man über sie sagen könnte. Die Zuhörer im gut besuchten Café gehen entspannt mit. Man trinkt Wein, flüstert dem Sitznachbarn was zu, während die spitzzüngigen Witze ohne Punkt und Komma dahinrauschen. Amüsiert horcht man auf: »Wie weit ist es gekommen, dass eine Feuchtgebiets-Autorin dem Bundespräsidenten Sex anbietet, damit er die Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht verlängert?« Und nachhakend: »Empfand Wulff das als Angebot oder als Bedrohung?« Geschickt wandelt Gieseking Hochexplosives in Scherze um. Zur erstarkten Anti-Atomkraft-Bewegung fällt ihm schäumendes Bier aus der Kasseler Brauerei ein: »Friede dem Hütt, Krieg den Palästen.« Er setzt mit Rauchzeichen nach: »Anfang des Jahres qualmte Loki Schmidt noch unverdrossen. Am Ende gab's für Krake Paul mehr Nachrufe als für die Hamburger Deern.« Hand aufs Herz, meint Gieseking: »Politiker interessieren uns doch nicht wirklich. Während Lena unser Beten galt, ist Köhler zurückgetreten. Leider konnte Lena seine Nachfolge nicht antreten - für den Job muss man vierzig sein.« Schalk blitzt in seinen Augen auf: »Aber warum nicht Stefan Raab? Dann gucken wir jeden Monat die TV-Show Schlag den Bundespräsidenten.« Was außerdem war relevant? Richtig: 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung. Bernd Gieseking wägt ab: »Wiedervereinigung gut und schön. Aber musste es die DDR sein? Warum nicht Luxemburg?« Ein Rufer aus dem Publikum schlägt vor: »Österreich.« Der Kabarettist ergänzt: »Was ist uns aus dem Osten geblieben? Angie und das Sandmännchen.« Man brauche dringend neue Helden in der Politik: »Was Steinmeier vormachte, war nicht schlecht. Mit der Nierenspende an die Ehefrau hat er für seine Partei ordentlich gepunktet. Wenn jetzt noch Siegmar Gabriel seine Leber spendet, kann die SPD wieder allein regieren.« Apropos große Namen: »Käßmann ist ja mittlerweile unser Obama der Landeskirche.« Den Austrittsboom abgefallener Christen kommentiert Gieseking bissig: »Warum sollten Eltern Geld dafür ausgeben, dass ihre Kinder missbraucht werden? Da kann man doch die Kirchensteuer sparen.« Nicht Google-View, »vielseitiger als ein Schweizer Messer«, nicht Klimakatastrophe noch Griechenlandbankrott spart Giesekings Spottlust aus. Er schlägt die Privatisierung des Atommülls vor (»Wer hat einen dunklen Keller frei?«), er macht sich lustig über die Rente ab 67, wo es doch ab 52 keine Arbeit mehr gibt und flachst angesichts der durch Medien forcierten Terrorangst: »Gibt es eigentlich ein Detonations-Gen? Meine Mutter ist nämlich auch oft explodiert.«

Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 15.12.10 - Charlotte Martin
Bild: Claudia Weller | Bildbearbeitung: Jonas Bielohlawek
 • AUSVERKAUFT • 
» Wo: Café Extra  Titel/Programm: Ab dafür! - Satirischer Jahresrückblick
» Karten: 14,00 € // 17,00 € (Abendkasse)  Web: www.bernd-gieseking.de
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