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Freitag 10.02.2012, 20:00 Uhr |
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| › Christoph Brüske | • Kabarett |
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Pointen folgen Schlag auf Schlag
Kabarett – „Dampfplauderer“ reißt das Publikum im Café Extra mit – Euro-Krise und Christian Wulff
BÜTTELBORN. Brüske brüskiert nicht: Statt Verstimmung herrscht am Freitagabend im Café Extra heitere Hochstimmung. Der Kölner Kabarettist hat Esprit und trifft mit seinen Witzen sowohl den Nerv der Zeit als auch den Geschmack des Publikums. Mann, tut das gut, mal über die ganze Misere zu lachen, über den Klüngel von Wirtschaft und Politik, der uns über die Europiste abwärts führt. „Früher hielten sich Unternehmer einen Hund, heute einen Wulff.“ Und: „Kennen Sie die neue Maßeinheit? Ein Wulff benennt den Abstand von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen.“ Oder: „Willst du richtig Ärger, geh zu Bilfinger Berger – da fühlt nur Koch sich wohl.“
Alle sitzen im selben maroden Boot, Kabarettist und Publikum. Doch: Lieber ein piesackendes Kabarett in der „Gölzenleuchter-Arena“ als „Bunga-Bunga-Partys“ bei Berlusconi, oder? Es hagelt Applaus, Christoph Brüske bringt frischen Wind in Hirn und Herz, legt den Sumpf europaweiter Regierungskrisen trocken: „Es gibt zwei Teams – die Optimisten sagen: In sechs Monaten gehen wir betteln. Die Pessimisten fragen: Aber bei wem?“ Dann seufzt er, schaut nach Dublin rüber: „Mir graut schon vor den Benefizkonzerten der Kelly Family.“ Nicht zu vergessen natürlich Griechenland: „Die Ouzos, die wir bei unserem Griechen nach dem Essen getrunken haben, waren also doch nicht umsonst.“
Das geht treffsicher Schlag auf Schlag. Der Mann in legerem Hemd und löchriger Designerjeans haut verbal auf die Pauke, lässt seinen Bariton à la Hermann Prey ertönen, wenn er den Song „Griechischer Wein“ persifliert oder Eichendorffs „Die Gedanken sind frei“ umdichtet: „Die Banken sind frei, ihr Bonus muss fließen – man müsst sie erschießen mit Pulver und Blei – doch es bleibet dabei: die Banken sind frei.“
Das Publikum applaudiert, lacht, spitzt die Ohren: Mit diesem Kabarett wird der Nagel auf den Kopf getroffen, können auch 55 Milliarden Euro einer Hypo Real Estate nicht im Nirwana verschwinden.
Sogar Barack Obama, „einer der charismatischsten Präsidenten, den die USA je hatten“, bleibt nicht ungeschoren. „Wie sagte er? Are you ready for the change? Übersetzt heißt das: Bist du fertig in der Wechselbank?“ Es folgt der legendäre Hit „Mammy Blue“ in kurioser Variante: „Obama, du, was machst du nu?“
Das perfide Prinzip der Finanzkrise umreißt Brüske denkbar einfach: „Wir sind in einem globalen Kartenhaus gefangen. Weil zu viele mit gezinkten Karten spielen, fällt das Haus zusammen.“ Auf regionaler Ebene personifiziert er: „Volker Bouffier – mal ehrlich: das klingt wie eine Mischung aus Buffet und Croupier. Und so sieht er auch aus.“ Johlen im Café Extra, Begeisterung.
Stimulierend, wie Christoph Brüske ausspricht, was andere denken. Genial, wie er die Löcher im Rettungsschirm ausmacht, unter dem wir im Regen stehen, wie er den verkrachten Hoffnungsträger Guttenberg in Analogie zum Erfinder der Buchdruckerkunst Gutenberg einen „Kopierer“ nennt, wie er die Freiwilligkeit des deutschen Wehrdienstes als Sammelbecken für Hartzer, Polen, Griechen, Schwule und Swinger karikiert: „Komm zur Bundeswehr, denn so ne Knarre macht was her.“
Klar bleibt zum Schluss auch das Thema „Mister Westerwelle“ und FDP nicht aus. Warum wurde Philipp Rösler Vorsitzender? „Sah ein Knab ein Röslein stehn, Rösler auf der Heiden.“
Auweia – der selbst ernannte „Dampfplauderer“ Christoph Brüske lässt nichts aus, wenn es der Erkenntnis dient. „Brauchen wir die FDP noch? Es gibt für sie keinen (P)Latz mehr.“
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 14.02.12 - Charlotte Martin Bild: Alexander Heimann | Bildbearbeitung: -
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Titel/Programm: Energie |
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