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Freitag 30.03.2012, 20:00 Uhr |
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| › Bruno Jonas | • Literarisches Kabarett |
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Von Korruption, Opel und Grie Soß
Café Extra – Kabarettist Bruno Jonas reißt 500 Besucher im Büttelborner Volkshaus zu stehenden Ovationen hin
BÜTTELBORN. Hubert Unwirsch ist ein Unternehmensberater, wie er im Buche steht. Bei ihm ist guter Rat sehr teuer. Aber auch ein Spezialist wie er kommt einmal ins Straucheln: Wegen Untreue steckt er mitten in einem Verfahren. Ein Glück, dass er eine Beziehung mit der Oberrichterin angefangen hat. Da gibt es doch glatt Verhandlungsspielraum mit der Staatsanwaltschaft. Unwirsch sagt vor Gericht alles, was er weiß, und erhält dafür eine neue Identität. Und fünf Millionen sollten für einen neuen Existenzanfang wohl auch rausspringen. Eine Hand wäscht schließlich die andere.
In seinem Programm „Es geht weiter“ ist der bayerische Schauspieler und Kabarettist Bruno Jonas im Volkshaus Büttelborn erneut in die Rolle seines Alter Egos Unwirsch geschlüpft.
Dafür wurde die Bühne zum Talkstudio umfunktioniert. Hinter einer Schattenwand soll Unwirsch alles zum Thema Korruption auspacken. Und dabei hat er eine steile These: „Korruption ist ein gottgegebenes Verhalten, damit die Menschen miteinander auskommen.“ Das beste Beispiel sei doch das Alte Testament. Mit den Opfergaben wollten die Menschen Gottes Wohlgefallen erzielen.
Und auch Gier sei eine evolutionäre Notwendigkeit. „Haben Sie schon einmal einen Säugling an der Mutterbrust saugen gesehen“, fragt Unwirsch herausfordernd. Kaum etwas zeige besser, dass man ohne Gier gar nicht überleben könne.
Rücksicht auf andere lasse sich dabei natürlich nicht immer nehmen. Oder sollte man nach Schlecker etwa bald auch noch Opel retten? „Ein Auto kaufe ich, um zu wissen, wer ich bin“, so Unwirsch, „aber bei einem Astra muss ich wissen, wo ich ihn hinstelle, damit ihn keiner sieht.“ Buhrufe und der empörte Zwischenruf „Opel ist hier“ tönen aus dem Publikum. Dass Unwirsch barsch antwortet, die Geografie sei ihm „scheißegal“, wird ihm nach einem direkt im Anschluss folgenden hessischen „läscherlisch“ von den Besuchern schnell verziehen.
Und auch sonst gelingt es Jonas als Unwirsch spielend, die rund 500 Zuschauer im Volkshaus um den Finger zu wickeln. Er weiß nicht nur die Vorzüge der hessischen Sprache mit ihrer wohlklingenden Betonung der ersten Silbe zu schätzen, sondern huldigt auch offen der Grie Soß.
Nach den spontanen Abschweifungen meistert Jonas den erneuten Rollenwechsel zu Unwirsch bravourös und beklagt sich weiter über Politik, Wirtschaft und vor allem den Umgang mit Leistungsträgern der Gesellschaft. Das Gerede über Bestechung kann der Unternehmensberater nicht mehr hören. Er weiß: „Wenn jemand nie Gelegenheit hat, etwas anzunehmen, dann fällt es doch leicht, standhaft zu bleiben. Ein impotenter Mann hat schließlich auch kein Problem mit der Treue.“
Die Polit-Talk-Shows übernehmen für Unwirsch bei all dem Gemecker die Funktion einer Abendandacht. Ob es mit Deutschland bergab gehe, wolle doch wohl jeder kurz vorm Zubettgehen wissen.
Dabei kennt Unwirsch eine einfache Lösung für sozialen Frieden: richtiges Wissensmanagement. „Wenn niemand merkt, dass man ungerecht handelt, fühlt sich keiner schlecht behandelt“, flachst er. Die Welt sei nun mal ungerecht, und noch sei der Tag nicht gekommen, an dem Kinder ihre Eltern wegen Zeugens wider besseren Wissens verklagen könnten.
Allerdings scheint sogar der knallharte Unwirsch im Hinblick auf seine Verhandlung am Ende ein wenig geläutert. Für ein ethisch einwandfreies Leben wolle er in Zukunft nur noch Klodeckel benutzen, die zur Rettung der Delfine beitragen.
Das Publikum dankt es ihm nach seinem fast dreistündigen Auftritt mit anhaltendem Applaus, der nach dem von Jonas ausgestellten Prädikat „satirische Kompetenz“ der Büttelborner in stehende Ovationen mündet.
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 03.04.12 - Charlotte Schnitzspahn Bild: - | Bildbearbeitung: -
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Titel/Programm: ...es geht weiter |
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