Freitag 27.01.2012, 20:00 Uhr |
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| › Vanessa Backes | • Mundart-Comedy |
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Jedem Lapsus wohnt ein Scherz inne
Kabarett – Alice Hoffmann gastiert im Büttelborner Café Extra als saarländische Hausfrau Vanessa Backes
BÜTTELBORN. Alle lieben sie, die saarländische Frau in Kittelschürze und mit kuriosem Hütchen. Nicht fehlen darf die imposante Handtasche, in der sie verstaut, was der Frau ab 40 lebenswichtig scheint. Vanessa Backes alias Alice Hoffmann bot am Freitagabend im ausverkauften Café Extra unterhaltsame Plauderei, bei der sie den Wankelmut der Männer und die Standhaftigkeit von Frauen („Wir sind Bundeskanzlerin“) aufs Korn nahm.
„Denk emol“ heißt das Soloprogramm der TV-Darstellerin („Hilde Becker“ und Gerda Braun im Tatort Saarbrücken), mit dem sie schrullig und verschroben in simulierter Naivität die Herzen der Zuhörer erobert. In anheimelnd saarländischem Tonfall entrollt sie Höhen und Tiefen des Lebens einer Ehe-, Haus- und Putzfrau, als sitze sie beim Kaffeeklatsch. Eine Meisterin des Dialekts, gibt Alice Hoffmann humoristisch Weisheiten zum Besten, die sie der Tristesse des Alltags einer reifen Frau abgewinnt. Erneut Single, sinnt sie über „das Unstete“ im Manne nach und erklärt: „Wieso nennt man sie Schürzenjäger? Ich hab den ganzen Tag die Kittelschürze an – da müsste ich mich ja nicht retten können.“
Sie rückt pikiert den Hut zurecht und resümiert: „Vom Franzosen sagt man: morgens Baguette und abends Babette. Die Männer sinn all so und könne nix dafür. Was die Hirnforschung heute rausfind’, haben wir Frauen längst gewusst.“ Bigamie sei ja verboten, also herrsche Monotonie in Ehen – „Pardon, ich meine natürlich Monogamie“, setzt sie verschämt hinzu.
Ihre Versprecher sind Offenbarungen – jedem Lapsus wohnt ein Scherz inne. Backes verbalisiert, was man gemeinhin im Geheimen denkt. Sie fragt: „Wieso trifft sich der Ehemann mit der Geliebten ausgerechnet im Ritz?“ Das Publikum lacht, Antwort erübrigt sich. Oder: „Seit meiner Scheidung hab ich Teil am tschechischen Fortschritt – Pardon: am technischen. Das mobile Telefon such ich im ganzen Haus – so bleibt unsereins mobil.“
Ein Fass ohne Boden ist die Ehethematik: „Männer und Frauen sind zu verschieden. Als bei uns eingebrochen worden war, hat er’s gemerkt. Ich nicht. Ich dachte, er hätt’ seine Hemden gesucht.“ Warum bloß können Männer und Frauen über Probleme nicht reden? Backes: „Die Verschiebung vom Gefühls- zum Sprachzentrum funktioniert bei Männern nicht. Is was, frag ich, und er sagt: Ich geh mal rüber bei Jupp einen trinken.“ Oder: „Auch das Zahlengedächtnis ist bei denen anders angelegt. Die PS ihres Autos wissen sie aus dem Effeff, den Hochzeitstag vergessen sie.“ Alle lachen, denn es ist schlicht dieser unprätentiöse Mutterwitz, der passgenau ins Schwarze trifft und zugleich die Gemüter erwärmt.
Vanessa Backes streicht die Kittelschürze glatt. Zwei Stunden steht sie am Mikro wie eine Eins, große Gesten folgen dann im Finale, das herrlich unbedarfte Entkostümierung – angekündigt als „Striptease“ – beinhaltet. Backes sagt: „Sie täten mich gern in natura sehen, gell?“, und schon rockt sie los. Da fliegt das Seidentuch davon, die Brille folgt. Langsam wird die Schürze aufgeknöpft, Perücke und Hut verschwinden vom Kopf und vorm Publikum steht ein rotmähniger Vamp. Pfiffe werden laut, das Publikum johlt, und Alice Hoffmann verabschiedet sich, indem sie zu Boden geht: Mit kunstvollem Spagat sagt die Saarländerin: „Ade, macht’s gut.“
Quelle: Groß-Gerauer Echo vom 31.01.12 - Charlotte Martin Bild: Alexander Heimann | Bildbearbeitung: -
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| » Wo: Café Extra |
Titel/Programm: Denk emol |
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